home Beiträge Ausbildung und Beruf Elterninitiative IGS Duderstadt übt Kritik am Bistum Hildesheim  · 

Elterninitiative IGS Duderstadt übt Kritik am Bistum Hildesheim

Sendung: Aufgeweckt - Mehr am Morgen [Redaktion]
Autor: Jennifer Bullert
vom 02.03.2017 (bisher gehört: 335 | gelesen: 772)
Dauer: 04:24 Minuten

„Der Glaube stirbt zuletzt.“ Dieser Spruch dürfte hinlänglich bekannt sein. Was die St. Ursula-Schule in Duderstadt angeht, hat das Bistum Hildesheim den Glauben verloren, dass die IGS sich von ihren rückläufigen Schülerzahlen erholt. Die Konsequenz: Das Bistum will die Trägerschaft abgeben. Sollte der Landkreis Göttingen nicht einspringen, würde das bedeuten, dass die Schule ausläuft und schließt. Ein Szenario, das die Elterninitiative IGS Duderstadt verhindern will. Jennifer Bullert berichtet.

mp3
Lade Player...
Dieser Beitrag wird Ihnen präsentiert von Job Mode.
Elterninitiative IGS Duderstadt: v.l.n.r. Pamela Dorn, Birthe Schulz, Hannes Gatzemeier, Ulrich van Almsick, Oliver Brunotte, Stephan Heddinga (Bild: Jennifer Bullert)

Manuskript

Text

Schock, Wut, Überraschung – die Reaktionen waren vielfältig, als das Bistum Hildesheim mitteilte, die Trägerschaft für die St. Ursula-Schule in Duderstadt aufgeben zu wollen. Schulleitung und Kollegium fühlen sich von der plötzlichen Entscheidung vor den Kopf gestoßen, Eltern reagieren mit Unverständnis darüber, eine IGS im ländlichen Raum zu schließen. Der Vorsitzende des Fördervereins der Schule, Stephan Heddinga, kritisiert den Entschluss.

 

O-Ton 1, Stephan Heddinga, 26 Sekunden

„Was ich der Kirche auch ankreide: Die haben im Prinzip das Auto IGS auf die Straße gestellt und einen kleinen Schubs gegeben, aber es war keiner am Steuer, der gesagt hat: „Jetzt fahren wir auch mal“. Also, sie haben es nicht begleitet und auch gerade in den ersten Jahren fehlte auch massive Unterstützung. Sei es die Ganztagsbetreuung, die nicht vorhanden war, die Mensa, die nicht vorhanden war – das kam erst sehr, sehr viel später und letztendlich auch ein Stück weit zu spät.“

 

Text

Die St. Ursula-Schule ausgerechnet jetzt aufzugeben, wo sich die Umstrukturierungen positiv niederschlagen würden, wäre falsch, so Heddinga. Er bezweifelt auch, ob die Kirche auf diesem Weg weitere Steuerzahler finden wird. Dabei ist er nicht der Einzige, der etwas gegen das drohende Aus der Schule unternehmen will. Bereits gut eine Woche nach der Bekanntgabe des Bistums regte sich Widerstand. Die Elterninitiative IGS Duderstadt wurde gegründet und startete eine Online-Petition. Das Ziel: Die St. Ursula-Schule soll vom Landkreis Göttingen weitergeführt werden. Oliver Brunotte hat zu diesem Zweck sogar eine Online-Petition ins Leben gerufen. Er würde seine drei Kinder gerne auf die IGS schicken, da sie für ihn sozusagen eine Leuchtturmfunktion inne hat.

 

O-Ton 2, Oliver Brunotte, 33 Sekunden

„Wir als Grundschuleltern haben uns wirklich überall umgeguckt. Also viele haben gesagt: Wir hätten gerne eine Möglichkeit, wie wir jetzt nicht entscheiden müssen, in welche Schublade wir unser Kind stecken. Gymnasial-, Realschul-, Hauptschulschublade. Und das ist der Wunsch bei ganz vielen Eltern. Und wir haben in unserem Kreis Göttingen am Harz nichts dergleichen. Hier in Göttingen gibt es ja sehr viele IGSen. Bei uns ist es mindestens eine Stunde Fahrtzeit hier bis zur Göttinger IGS oder der Einbecker IGS. Und dann heißt es jetzt ja neuerdings auch noch, die sollen erstmal die Stadtkinder bedienen. Das heißt, für uns auf dem Land ist da gar keine Möglichkeit.“

 

Text

Brunotte hofft, dass der Landkreis die Schule weiterführt. Alle notwendigen Strukturen seien bereits gegeben, sodass keine weiteren Investitionen nötig wären. Problematisch – und damit möglicherweise ein Grund für die rückläufigen Schülerzahlen – sei gewesen, dass viele Eltern aus der Region vor dem Wechsel ihrer Kinder auf weiterführende Schulen nichts von der St. Ursula-Schule gewusst hätten, erklärt Brunotte.

 

O-Ton 3, Oliver Brunotte, 33 Sekunden

„Das ist eine Schule, die in privater Trägerschaft ist, eine katholische, private IGS. Die war einfach vielen Grundschuleltern so nicht auf dem Schirm. Also ich sehe das nicht darin, dass die Schule irgendwas falsch gemacht hat. Ich würde im Gegenteil eher sagen, wenn jetzt im Raum steht, dass der Landkreis diese Schule als staatliche Schule übernimmt, würde das viel viel mehr Schüler anlocken. Dass das Schulgeld bezahlt werden muss, dass die Schule eine feste konfessionelle Ausrichtung hat – ich glaube, dass sind alles so ein bisschen Filter, die potenzielle Schülerschaft verhindert haben und ich glaube, das ist eine große Chance, dass da jetzt viel mehr Schüler kommen könnten.“

 

Text

Während Eltern, Schüler und Lehrer der St. Ursula-Schule von der Entscheidung des Bistums überrumpelt wurden, kam sie für Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte nicht völlig überraschend. Er verweist auf den demografischen Wandel, äußert sich aber auch betroffen darüber, dass der IGS nun das Aus drohen könnte.

 

O-Ton 4, Wolfgang Nolte, 28 Sekunden

„Ich habe großes Verständnis für die Elterninitiative und verstehe auch, dass vieles unternommen wird, um hier zu einem entsprechenden Akzent auch für die Zukunft zu kommen. Meine Bitte und meine Empfehlung geht dahin, dass jetzt die Verantwortlichen gemeinsam überlegen: Was ist für unsere Kinder, was ist für das Wohl der Kinder, die beste Schul- und Ausbildungsform?“

 

Text

Dazu müssten nun zwischen Bistum, Landkreis und Elternschaft Gespräche stattfinden, so Nolte. Trotz der zahlreichen Problemfelder in Duderstadt, zu denen auch die drohende Schließung der Geburtsstation des St. Martini-Krankenhauses und die ungewisse Zukunft des Hallenbades zählt, zeichnet Nolte ein positives Bild der Stadt. Die Sorge, Duderstadt könne nicht mehr attraktiv genug für junge Menschen sein, weist der Bürgermeister zurück. Der Landkreis Göttingen hat nun noch einmal darauf hingewiesen, dass die Schließung der St. Ursula-Schule nicht endgültig feststehe, da derzeit noch Gespräche geführt würden. Jedoch erklärte Kreisrat Marcel Riethig, dass die Entscheidung über die Schließung das Bistum treffe, dass der Landkreis bisher keinerlei Interesse an einer Übernahme bekundet habe und das auch ein Trägerwechsel nichts an der zu geringen Zahl der Schüler ändere.

Links / Verweise

Zur Verfügung gestellt vom StadtRadio Göttingen

Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschützt und darf nur für private Zwecke benutzt werden. Jede andere Verwendung (z.B. Mitteilung, Vortrag oder Aufführung in der Öffentlichkeit, Bearbeitung, Übersetzung) ist nur mit Zustimmung der Autorin bzw. des Autors zulässig. Die Verwendung für Rundfunkzwecke bedarf der Genehmigung des StadtRadio Göttingen.
 

 
Hosting und Streaming von Syndicat