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Eröffnung des „Cafés der Wohn Ideen“ in der Göttinger Stadtbibliothek

Sendung: Mittendrin [Redaktion]
Autor: Tina Fibiger
vom 13.09.2017 (bisher gehört: 83 | gelesen: 104)
Dauer: 04:06 Minuten

Irgendwann ist das Thema Wohnen im Alter fällig. Die Bewohnerinnen der Alten-WG am Goldgraben haben für sich die passende Lösung gefunden, über die sie bei Kaffee und Kuchen auch gern berichten. Viel Gesprächsstoff und Anregungen gab es gestern beim „Café der Wohnideen“ in der Stadtbibliothek, wo die Wohnberater der freien Altenarbeit eine neue Gesprächsreihe zum Thema Wohnen im Alter eröffneten. Tina Fibiger war für uns dabei.

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Manuskript

O-Ton 1, Hannelore Mann, 6 Sekunden

„Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, wenn man das mitbringt und Interesse am Menschen, dann kann eigentlich gar nichts schief gehen.“

 

Text

Hannelore Mann lebt seit mehr als fünf Jahren in der Wohngemeinschaft am Goldgraben in Göttingen und hat diesen Entschluss nie bereut. Sie schätzt die Gemeinschaft in der Alten Jugendstilvilla und besonders die Form des Zusammenlebens, bei dem gemeinsame Interessen ebenso eine Rolle spielen wie das Bedürfnis nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit.

 

O-Ton 2, Hannelore Mann, 27 Sekunden

„Ich bin mit großer Freude hier nach Göttingen gezogen und habe mich relativ schnell in alle möglichen Projekte des Vereins „Freie Altenarbeit“ integriert, habe viel zu viel gemacht, wie immer am Anfang, bin dann auch die Stellvertreterin der WG im Verein geworden. Ich wollte einfach Gemeinschaft haben mit Leuten, die geistig aufgeschlossen und auch interessiert waren. Und das fand ich hier. Wir gehen also zum Beispiel zusammen zu Professor Detering in die Literaturvorlesung, haben zusammen Theaterabonnements, spielen abends zusammen oder gucken zusammen fern.“

 

Text

Die 75-jährige pensionierte Schulleiterin berichtet von den wöchentlichen Treffen, wo klassische WG- Absprachen getroffen werden, wer die Blumen in den Gemeinschaftsräumen gießt, wer das Altglas entsorgt oder wann die Gästeappartements für Verwandtschaftsbesuche zur Verfügung stehen. Das klingt nach einer ausgefüllten Sieben-Tage-Woche, die auch Rosemarie Breuer nicht erwartet hatte, als sie im Oktober vergangenen Jahres als elfte Mitbewohnerin in den Goldgraben zog.

 

O-Ton 3, Rosemarie Breuer, 30 Sekunden

„Also alleine in einer Wohnung, das kann es doch irgendwie nicht sein. Dann hockste dann da. Wenn du eine Verabredung haben willst, musst du anrufen, kannst du heute, kannst du morgen, welches Café. Hier ist es wirklich, man trifft sich einfach selbstverständlich. Man hat Kontakt. Man hat auch eine Struktur im Tag. Die anderen stehen nämlich auch auf und klappern dann da oben rum. Das ist kein Haus, wo man der Versuchung erliegt, den ganzen Tag im Bett rum zu liegen. Ich bin jetzt erst ein dreiviertel Jahr in Göttingen. Ich kenn schon so viel. Das kenne ich auch nur, weil da so viele Leute um mich herum laufen. Ich hätte mir das auch nicht so vorgestellt, dass man so ausgefüllt auch lebt.“

 

Text

Beide WG-Bewohnerinnen betonen im Gespräch mit den Besuchern des Cafés der Wohnideen in der Stadtbibliothek, dass ihnen das Zusammenwohnen genug Freiräume lässt. Auch weil die Jugendstilvilla mit dem großen Garten und den Gemeinschaftsräumen genug Platz bietet. Dass sie auch so die Umstellung von einer großzügigen Wohnung oder einem Haus auf 35 und 42 Quadratmetern gemeistert haben. Sie habe sich sehr reduzieren müssen, meint Rosemarie Breuer, wenn sie an die vielen vollen Schränke mit Kleidung und Geschirr denke, an die Bücher, die sie verschenkt habe.

 

O-Ton 4, Rosemarie Breuer, 25 Sekunden

„Erstens mal finde ich dieses Haus wunderschön. Da kann man sich auch in irgendwelchen Ecken ein bisschen verkriechen. Dann fand ich dieses Modell, doch immerhin mit zehn anderen Frauen zu leben einfach interessant. Wir haben eine große Küche, wo man auch mit mehreren Gruppen kochen kann, Wir haben diesen großen Salon, in dem die Erzählcafés stattfinden unter anderem. Man hat zwar nur 42 Quadratmeter, aber man bewohnt das ganze Haus eben mit.“

 

Text

Beim Thema Wohnen im Alter stellt sich natürlich auch die Frage, was passiert, wenn ich krank oder pflegebedürftig werde. Hier verweist Hannelore Mann auf das Pflegekonzept, auf das sich die Bewohnerinnen verständigt haben, wenn kein Angehöriger in Göttingen oder der näheren Umgebung lebt.

 

O-Ton 5,  Hannelore Mann, 26 Sekunden

„Eine Vertrauensperson wählt man sich, mit der man also über seine Probleme spricht, wenn man welche hat und die auch eine Vollmacht bekommt, im Krankenhaus oder beim Arzt Auskunft zu erhalten. Körperpflege leisten wir nicht. Sondern da arbeiten wir mit dem ökumenischen Pflegedienst oder mit dem Arbeitersamariterbund, was die einzelnen eben haben, zusammen. Aber wir kaufen zum Beispiel ein, wenn jemand krank ist, wir kochen für jemand mit. Wir lesen uns dann was vor oder kümmern uns auch um die Enkelkinder.“

 

Text

Zurzeit gibt es keine freien Wohnungen in der Jugendstilvilla am Goldgraben, aber wie Mann und Breuer versichern, sollte auch die Warteliste niemand abschrecken. Nicht alle Bewohnerinnen bleiben hier bis zu ihrem Lebensende. Manche ziehen dann auch zu ihren Familien oder entscheiden sich nach dem Probewohnen doch für eine andere Wohnform.

Zur Verfügung gestellt vom StadtRadio Göttingen

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