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Gedichte unter freiem Himmel - der Lyrische Garten in Osterode

Sendung: Mittendrin [Redaktion]
Autor: Tina Fibiger
vom 08.08.2017 (bisher gehört: 159 | gelesen: 288)
Dauer: 03:47 Minuten

Ab und an verträgt auch Lyrik ein bisschen frische Luft. Für ihre Idee einer Lesung im Grünen fand Renate Maria Riehemann die ideale Kulisse. Die Osteröder Autorin und Herausgeberin erklärte eine historische Villa mit ihrem romantischen Jugendstilgarten einfach zum „Lyrischen Garten“. Gemeinsam mit den Besuchern flanierten die Lyriker am Sonntag in der denkmalgeschützten „Villa Gyps“ durch einen Fundus an Gedichten, Versen und poetischen Fantasien. Tina Fibiger über das lyrische Open Air in Osterode.

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Manfred Pilz (Bild: Tina Fibiger)
Manfred Pilz (Bild: Tina Fibiger)
Ein Gedicht am Baum (Bild: Tina Fibiger)
Die Villa Gyps in Osterode (Bild: Tina Fibiger)
Die Villa Gyps in Osterode (Bild: Tina Fibiger)

Manuskript

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Zwischen Hecken, Blumeninseln und im Schatten von Bäumen wird einfach weiter gedichtet und sinniert, während sich die Lyriker im Saal der so genannten „Villa Gyps“ mit kurzweiligen Lesungen abwechseln. Die Kostproben mit Naturgedichten und Liebeslyrik, komödiantischen Versen und Gedankenbildern dauern nie länger als eine Viertelstunde. Dass die Zuhörer danach auch möglichst viel flanieren, hatte Renate-Maria Riehemann im Sinn, als sie das lyrische Lesevergnügen im Grünen organisierte.

 

O-Ton 1, Renate Maria Riehemann,  26 Sekunden

„Dass die Menschen sich über Gedichte austauschen, ins Gespräch kommen. Und mein Ziel war es, dass sie heute locker und leicht hier im wunderschönen Jugendstilgarten lustwandeln können. Man ist nicht gezwungen, eineinhalb Stunden einer Sache konzentriert zuzuhören. So viele Eindrücke kann man bei Lyrik gar nicht verarbeiten. Ich glaube, das ist genau das, was bildlich heute dargestellt wird: Dass die Lyrik aus dem Zimmer raus geht, aus dem geschlossenen Raum rausgeht, das Wort sich Platz sucht unter den Menschen.“

 

Text

An den lyrischen Treffpunkten im Garten stapeln sich nicht nur Gedichtbände und Flyer. Als kreativer Querdenker ist der Göttinger Autor Manfred Pilz hier in seinem Element, wenn er einen kleinen Warenkorb mit Wörtern, Silben und Lettern für spontane Assoziationen anbietet oder Gedichte ebenso spontan verschenkt, damit sie ihre Kreise ziehen. Das gilt besonders für das Gedicht „Wer Frieden will“.

 

O-Ton 2, Manfred Pilz, 21 Sekunden

„Wer Frieden will / Muss Frieden wollen / Wer Frieden will / Lässt keine Panzer rollen / Wer Frieden will / Spielt nicht mit Waffen / Wer Frieden will / Hält Andersdenkende nicht für Affen“. Da suche ich Leute, die das Gedicht in eine andere Sprache übersetzen können. In Russisch habe ich es schon, in Polnisch, Französisch, Spanisch, Rumänisch. Also möglichst eine andere Sprache.“

 

Text

Mit Renate Maria Riehemanns Gedichten kommt der Besucher des Lyrischen Gartens unmittelbar ins Gespräch, weil sie als lose Blätter an den Baumstämmen haften. Auch ihre „Klatschmohnblüten“ hat die Autorin zahlreicher Erzählungen und lyrischer Momentaufnahmen in den Jugendstilpark mit seinen geordneten Arrangements verpflanzt. Dort dürfen sie nun mit sattem Strich ein rotes Meer auf Schutt und Feld malen, wohl wissend, dass nichts ewig hält.

 

 O-Ton 3, Renate Maria Riehemann, 8 Sekunden

 „Schau hin. Lass es dabei bewenden. / Es kann sich der mit Lust verschwenden, / der Klatschmohnblüten in sich hat.“

 

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Auch der Göttinger Lyriker Nico Kahlen lässt sich von der grünen Bühne inspirieren und bewundert das lyrische Ambiente in dem Garten. An der frischen Luft schwärmen seine Gedichte noch einmal anders aus, als im Vorlesesaal der Villa Gyps.

 

O-Ton 4,  Nico Kahlen, 17 Sekunden

„Irgendwie will man natürlich alle Gedichte fliegen lassen, ist ja klar: Jetzt spontan, was zu Blumen passt, oder einfach die Umgebung: Hinter den Mauern zeige ich Dir den Mond durch einen Frühlingsbaum / Über die Welt hin ziehen die Wolken / Über Tannen und blassen Birken / Bald sieht der Abend rot.“

 

Text

Inspirierende Kreise ziehen nicht nur die Gedichte, Verse und Aphorismen der 16 Dichter, die in Osterode in einem Lyrischen Garten flanieren. Riehemann denkt bereits an eine Fortsetzung des lyrischen Open Airs im kommenden Jahr und  besonders an die Autoren, die sich mit ihren Texten noch nicht an die Öffentlichkeit getraut haben. Für die nächste Anthologie mit Harzgeschichten, die Riehemann plant, sind sie ebenfalls gefragt. Der Titel steht bereits fest:„Und wenn im Harz die Bratkartoffeln blühen“. Auch dafür fahndet die Herausgeberin beim Lyrischen Garten bereits nach Kurzprosa mit regionalen Motiven und Schauplätzen und nach weiteren lyrischen Stimmen.

 

Zur Verfügung gestellt vom StadtRadio Göttingen

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