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Göttinger Grüne haben Diskussionsveranstaltung für mehr Jugendbeteiligung organisiert

Sendung: Mittendrin [Redaktion]
Autor: Andreas Miller
vom 09.11.2017 (bisher gehört: 56 | gelesen: 64)
Dauer: 04:06 Minuten

Es gäbe eine Demokratieproblem in Göttingen, so behauptet es zumindest die Göttinger Fraktion von Bündnis90/Die Grünen: Die Interessen von Kindern und Jugendlichen würden nicht ausreichend beachtet. Daher hat die Fraktion gestern Jugendliche zu einer Diskussionsveranstaltung eingeladen, bei der diskutiert werden sollte, wie mehr Jugendbeteiligung realisiert werden kann. Für das Stadtradio war Andreas Miller dabei.

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Manuskript

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Ein klassisches Thema bei den Grünen: Jugendbeteiligung. Auch die Göttinger Fraktion der Grünen erkennt für Göttingen eine Schieflage: Zwar gäbe es einen Seniorenbeirat im Rat der Stadt, jedoch keinen Jugendbeirat oder ein Kinder- oder Jugendparlament. Die Grünen fordern daher eine überparteiliche Initiative, um Strukturen für Jugendbeteiligung zu schaffen und zu stärken. Und dafür sollte mit Jugendlichen zwischen 12 und 20 diskutiert werden, wie dies umgesetzt werden könnte. Auf dem Podium waren neben dem Grünen-Stadtrat und Jugenddezernenten Siegfried Lieske Vertreter von Jugendverbänden und Vereinen. Es wurden vorhandene Strukturen reflektiert und die Jugendlichen konnten ihre Wünsche äußern, außerdem wurden mögliche Projekte vorgestellt. Eine der Ideen ist „Pimp your town“, ein Planspiel zur Kommunalpolitik. Dazu Julia Franz vom gemeinnützigen Veranstalter „Politik zum Anfassen“:

 

O-Ton 1, Julia Franz, 22 Sekunden

„Schüler und Schülerinnen schlüpfen in die Rolle von Ratspolitikern und dürfen sich drei Tage lang an Kommunalpolitik ausprobieren. Ihre eigenen Ideen für ihre eigene Kommune entwickeln. Und  dann am Ende das Ganze dann mit vielen verschiedenen Schülern diskutieren und der Stadtpolitik vorstellen. Und wenn alles gut läuft und das läuft es meistens, dann werden die Ideen der Schüler und Schülerinnen zum Teil in ihrer Stadt auch umgesetzt.“

 

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So soll Schülern unbürokratisch ein Einstieg in politisches Handeln gegeben werden. Dabei sollen auch jene erreicht werden, die sich vorher noch nicht politisch engagiert haben. Ein Beispiel, wie Jugendbeteiligung in der Stadt verstetigt werden kann, kam von Niklas Wagener. Er ist Mitglied im Bundesvorstand der Grünen Jugend und hat das Modell des Jugendparlaments vorgestellt, das er in seiner Heimatstadt mit initiiert hat. Zusammen mit Jugendorganisationen der verschiedenen größeren Parteien wurde eine überparteiliche, städtisch finanzierte und mit Personal ausgestattete Institution geschaffen, bestehend aus gewählten Delegierten der städtischen Schulen. Dieses Schülerparlament hat ein Rede- und Antragsrecht im Stadtrat, jedoch kein Stimmrecht, erklärt Wagener.

 

O-Ton 2, Niklas Wagener, 31 Sekunden

„Das Jugendparlament versteht sich in gewisser Weise als Sprachrohr der Jugendlichen auf der einen Seite. Das heißt, es geht darum, einen zentralen Anlaufpunkt für Jugendliche Interessen zu bauen und dann eben dort die Interessen der Jugendlichen, die Fragen der Jugendlichen zu diskutieren und auf der anderen Seite die Anregungen und die Wünsche der Jugendlichen gegenüber denen, die Politik hauptamtlich machen, also im Stadtrat, in der Verwaltung, zu vertreten. Sozusagen auch Lobbyarbeit für die Interessen der jungen Menschen zu machen.“

 

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In Aschaffenburg gibt es eine hauptamtliche Stelle, die einerseits für die Organisation zuständig sein soll, aber auch die Methodik politischer Arbeit an die Jugendlichen vermitteln soll. Das Jugendparlament habe also auch eine pädagogische Funktion in Hinblick auf Demokratieerziehung, so Wagener. Lorenz Sieben, ehrenamtliches Vorstandsmitglied des Stadtjugendrings, einem Zusammenschluss unterschiedlicher Jugendverbände in Göttingen, sah das Konzept des Jugendparlaments jedoch kritisch:

 

O-Ton 3, Lorenz Sieben, 29 Sekunden

„Ja, ich meine, dass es schwierig ist, in einem parlamentarischen Konzept überhaupt bedürfnisorientiert zu arbeiten, weil ganz viel darin untergeht, überhaupt ein Parlament zu sein und weil das natürlich auch ein ganz besonderes Klientel ist, was in einem Parlament vertreten ist. Und ich aber finde, dass es viel wichtiger ist, da basisdemokratisch zu arbeiten. Und eben zu sagen, okay, wir wollen mit allen Jugendlichen reden. Und wir wollen vor allem auch , dass eine Idee, die irgendjemand hat, dass wir Strukturen haben, dass diese Idee dann auch direkt katapultiert wird in den Stadtrat.“

 

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Auch seitens der anwesenden Schüler wurde der Status Quo kritisiert, bestehende Strukturen würden nicht ausgelastet und genutzt. Die Kommunikation zwischen Stadt und Schulen sei verbesserungswürdig. Es würden fehlende Möglichkeiten gesehen, sich einzubringen, aber es fehle oft auch Interesse. Jugenddezernent Lieske betonte hingegen die aus seiner Sicht erfolgreichen und wichtigen Strukturen von Jugendbeteiligung wie die Kinder- und Jugendhäuser oder den Stadtjugendring. Es brauche jedoch eine Stelle bei der Stadt, die sich um die Organisation von Jugendbeteiligung kümmert. Nicht nur, um demokratische Strukturen einzuüben und zu vermitteln, sondern um auch die zu erreichen, die nicht von sich aus, beispielsweise schon als Schülersprecher, engagiert seien, so Lieske.

Zur Verfügung gestellt vom StadtRadio Göttingen

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