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Prozessauftakt im Göttinger Landgericht um Raubüberfall auf Pizza-Service

Sendung: Mittendrin [Redaktion]
Autor: Andreas Miller
vom 11.01.2018 (bisher gehört: 109 | gelesen: 220)
Dauer: 03:11 Minuten

Heute hat im Landgericht Göttingen der Prozessauftakt zu einem Raubüberfall auf einen Pizzabringdienst An der Lutter stattgefunden. Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Angeklagten vor, am 20. Juli 2017 dabei knapp 1.000 Euro erbeutet zu haben, sowie Mitarbeiter des Restaurants mit Gegenständen wie einem Beil und einem Hammer bedroht zu haben. Andreas Miller war bei Beginn der Verhandlung für das StadtRadio Göttingen dabei.

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Manuskript

Das Landgericht hat zu Prozessbeginn zunächst die drei Angeklagten angehört. Der 23 Jahre alte Angeklagte K. und der 22-jährige Mitangeklagte A. gaben die Mitwirkung an der Tat zu. K. sagte aus, er könne sich allerdings kaum an die Tat erinnern. Er habe unter dem Einfluss eines stark sedierenden Medikaments gestanden, das ihm der Mitangeklagte gegeben haben soll. Als Grund für die Einnahme nannte er einen angespannten Zustand und Schulden sowie persönliche Probleme. Der Angeklagte K. erinnere sich jedoch bruchstückhaft an die Mitwirkung bei der Tat und auch an eine der Waffen, mit der er die Mitarbeiter des Imbisses bedroht haben soll. Dabei habe es sich um einen Hammer gehandelt. Auch der zweite Angeklagte gab die Mitwirkung zu, er habe das Fluchtfahrzeug gefahren. Er gab als Grund für die Tat an, dass er Geld für seinen in seiner Heimat Syrien entführten Bruder gebraucht habe. Laut Aussage seines Anwalts belief sich das Lösegeld für die Entführung auf umgerechnet insgesamt 4.000 Euro, von denen 2.000 Euro schon überwiesen worden waren. Der junge Syrer erklärte, schon im Vorfeld durch den Abschluss von Handyverträgen und den Verkauf der Telefone Geld an seine Familie überwiesen zu haben. Dabei habe ihm der dritte Angeklagte, der in Northeim geborene 24-jährige F. geholfen, wodurch eine Freundschaft entstand. Im Prozess erklärten die beiden Syrer, gemeinsam mit dem dritten Angeklagten im Vorfeld der Tat mehrmals Lösungen für ihre Geldprobleme besprochen zu haben. Demnach habe F. die Idee für den Überfall gehabt, da er ebenfalls unter Geldproblemen gelitten haben soll. F. sagte hingegen in seiner über seinen Anwalt verlesenen Einlassung aus, dass er die Tat nicht freiwillig begangen habe, sondern von den beiden Mitangeklagten bedroht und dazu gedrängt worden sei. Er habe die Tat aus Angst um sich und seine Familie begangen und bezichtigte die beiden Mitangeklagten zudem, mit dem Islamischen Staat zu sympathisieren. Er bezog sich dabei auf Fotos auf dem Handy von A.. Diese hätten neben toten Menschen die Flagge des IS gezeigt. Die beiden Syrer stritten dies vehement ab. A. gab an, Kurde zu sein, in seiner vom IS besetzten Heimatstadt wegen einer Zigarette einen Monat im Gefängnis verbracht zu haben und den IS zu verabscheuen. Er berichtete von seiner Flucht aus Syrien. Ein Bruder sowie große Teile seiner Familie seien im Syrienkonflikt ums Leben gekommen. Nachdem er von einem Scharfschützen des IS eine schwere Schussverletzung am Knie erhalten haben soll, sei er für eine bessere medizinische Versorgung nach Deutschland geflohen. Aufgrund dieser Knieverletzung und den erlebten Traumata nehme er ein starkes Schmerzmittel sowie Antidepressiva. Er gab an, dass sowohl er als auch K. am Tag der Tat jeweils mehrere der Tabletten genommen hatten. Die Fotos auf seinem Telefon seien aus sozialen Netzwerken sowie auf seiner Flucht entstanden. Schließlich wurden die Mitarbeiter des Schnellimbisses als Zeugen gehört. Sie erklärten, von zwei maskierten Tätern mit einem Messer, einem Hammer und einem Beil zur Herausgabe des Geldes gezwungen worden zu sein. Es handelte sich um einen Betrag von fast 1.000 Euro. Schließlich verfolgten die drei Mitarbeiter die beiden Angeklagten. So konnte das Fluchtfahrzeug durch einen der Zeugen gesichtet werden und das Nummernschild wurde an die Polizei weitergeleitet.

Zur Verfügung gestellt vom StadtRadio Göttingen

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