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Präventionsmaßnahmen: Frauen im Salafismus in Göttingen

Sendung: Mittendrin [Redaktion]
Autor: Jonas Rietschel
vom 03.01.2018 (bisher gehört: 97 | gelesen: 104)
Dauer: 03:16 Minuten

Weihnachten ist vorbei, das neue Jahr ist da und damit sind auch die Weihnachtsmärkte aus den deutschen Innenstädten verschwunden. In Göttingen gab es für Weihnachtsmarktbesucher dieses Mal etwas Neues zu bestaunen: Dünne Drahtseile, von Sicherheitspersonal bewacht, um potentielle Amok-Fahrten zu verhindern. Doch können dünne Drahtseile wirklich vor den Gefahren des Terrorismus schützen? Sinnvoller erscheinen Maßnahmen, die schon deutlich früher greifen und die Radikalisierung junger Menschen durch extremistische Gruppen verhindern. Wie solche Maßnahmen funktionieren könnten hat Jonas Rietschel herausgefunden.

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Manuskript

Text
Befeuert durch die Debatten um innere Sicherheit ist in Deutschland auch die Sorge vor den Rekrutierungsversuchen radikaler Gruppen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Oft sind es gerade junge Menschen auf der Suche nach sozialem Halt, auf die es extremistische Anwerber abgesehen haben. Da Göttingen in den Medien zuletzt des Öfteren als „Salafisten-Hochburg“ bezeichnet wurde, stellt sich die Frage, wie man vor Ort mit den Gefahren der Rekrutierung umgeht. Im Hinblick auf den Salafismus gebe es in Göttingen bereits entsprechende Präventionsangebote, berichtet die stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Britta Thür.

 

O-Ton 1, Britta Thür,  21 Sekunden

"Es gibt ja den Präventionsrat insgesamt, der auch zu dem Thema agiert. Und mein Schwerpunkt ist ja zu gucken, was ist mit den Mädchen in dem Bereich. Weil die werden ja oft nicht erwähnt, wenn es um Salafismus geht, sondern da haben wir die Vorstellung des barttragenden jungen Mannes der als Krieger nach Syrien ausreist und die Frauen sehen wir oft ja nicht oder werden auch in den Medien nicht dargestellt."

 

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Gerade junge Frauen werden in Debatten häufig als Opfer der salafistischen Ideologie dargestellt.  Meist wird die Radikalisierung in erster Linie auf junge Männer bezogen. In der Realität gibt es jedoch auch Radikalisierungsmechanismen, die sich speziell an junge Frauen richten. Nina Käsehage ist Religionswissenschaftlerin und hat sich intensiv mit dem Thema "Mädchen und Frauen im Salafismus" auseinandergesetzt. Sie erklärt, mit welchen Mitteln Salafisten versuchen, junge Frauen anzuwerben.

 

O-Ton 2, Nina Käsehage,  34 Sekunden

"Im Bereich der religiösen Radikalisierung gibt es zum Beispiel Rekrutierungsmechanismen, die über persönliche 'Schwachpunkte' – in Anführungszeichen – der jeweiligen Rekruten transportiert werden. Wenn vielleicht man selber als junge Frau nicht mit seiner Figur zufrieden ist, dann wird in dieser Gemeinschaft gesagt: Das ist überhaupt kein Problem, das ist nur im westlichen Sinne so, dass du zu dick bist, bei uns bist du aber akzeptiert und Allah liebt Frauen auch mit Formen und so weiter. Das klingt jetzt etwas banal, aber wenn ich mich selber nicht ganz so wohl fühle, dann werde ich durch soetwas angesprochen, gerade in jungen Jahren."

 

Text

Bei der Ausarbeitung von effektiven Präventionsmaßnahmen zum Schutz junger Menschen gilt es, solche Ansatzpunkte aufzudecken. Dabei bieten vor allem die Forschungen von Religionswissenschaftlern wichtige Anhaltspunkte. Frederike Güler bot mit Nina Käsehage einen gemeinsamen Workshop zum Thema Präventionsarbeit im Kontext salafistischer Radikalisierung an. Für sie ist vor allem der richtige Zeitpunkt ein entscheidender Faktor für den Erfolg von Präventionsmaßnahmen.

 

O-Ton 3, Frederike Güler,  21 Sekunden

"Man muss sehr früh ansetzen. Wenn man sieht: Die bewegen sich dahin, dann muss man sehen: Warum bewegen die sich dahin? Und andere Facetten der Identität dieser Jugendlichen stärken und deren Interessen stärken, damit die selber im Kopf haben: Ok, das wo ich mich jetzt hinbewege – nee, aus einem Punkt ist das eine Befreiung, aus einem anderen Punkt schränkt es mich aber ein und vielleicht ist das nicht das, wo ich auf Dauer bleiben möchte."

 

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Zu verstehen, dass nicht nur junge Männer, sondern auch Frauen die Adressaten von salafistischer Rekrutierung sind, ist ein wichtiger Schritt für erfolgreiche Präventionsmaßnahmen. Eine gute Aufklärung für Jugendliche ist ebenso wichtig wie eine entsprechende Schulung des Präventionspersonals.

Zur Verfügung gestellt vom StadtRadio Göttingen

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