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Fehlende Genehmigung - Waaker Pferdehof in Gefahr?!

Sendung: Der Nachmittag - Information zum Feierabend [Redaktion]
Autor: Salome Heyn
vom 28.01.2016 (bisher gehört: 169 | gelesen: 1434)
Dauer: 04:03 Minuten

Wer in einem Dorf wohnt, muss gemeinhin damit rechnen, Tiere nicht nur zu sehen und zu hören, sondern auch zu riechen. Doch wie viel Geruch ist zumutbar? Und wie viel Dorf gilt noch als Dorf? In Waake ist darüber ein Streit mit dem Landkreis entbrannt. Und zwar so heftig, dass dem dort ansässigen Pferde- und Reithof das Aus droht. Salome Heyn berichtet über die Einzelheiten.

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Manuskript

Atmo, 5 Sekunden

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Die Vögel zwitschern fröhlich, die Pferde fressen genüsslich oder laufen langsam umher. Es wirkt friedlich bei Familie Gaarz in Waake. Doch die ländliche Idylle trügt. Der Hof mit neun Pferden auf 2.100 Quadratmetern, und damit auch die Reitschule, könnten bald der Vergangenheit angehören. Stein des Anstoßes sind der Pferdemist und die baurechtlichen Anforderungen. Lange, nämlich 24 Jahre lang, war das Problem allerdings gar nicht bekannt.

Vor zwei Jahren ging beim Landkreis Göttingen eine Anwohnerbeschwerde wegen Geruchsbelästigung ein. Dieser ordnete daraufhin Veränderungen an: Der Pferdemist sollte auf einen zugedeckten Anhänger geladen und täglich weggebracht, die Gullydeckel verschlossen werden. Die Auflagen habe man immer schnellstmöglich umgesetzt, sagt Lisa Gaarz, die 26-jährige Tochter der Familie. Doch im Zuge der Maßnahmen fiel der Behörde auf, dass der Hof baurechtlich nie genehmigt wurde. Mutter Astrid Gaarz wusste nicht, dass das auch ohne einen Umbau nötig ist.

 

O-Ton 1, Astrid Gaarz, 19 Sekunden

„Ich wusste halt, dass ich beim Veterinäramt eine Pferdehaltung anmelden muss, zumal ich damals das für zwei Jahre auch gewerblich gemacht habe. Dass es jetzt eine Baugenehmigung benötigt, um Tiere zu halten, das war mir nicht klar. Also wusste ich bis vor zwei Jahren nicht, dass das nötig ist, weil wir baulich gar nichts verändert haben.“

 

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Für den Landkreis ist die Sachlage klar. Die Genehmigung hätte eingeholt werden müssen. Mehr noch: Weil die Behörde Waake nicht als dörfliches Gebiet definiert, kann eine Tierhaltung wie die der Familie Gaarz dort gar nicht genehmigt werden, so Pressesprecherin Andrea Riedel-Elsner. Höchstens zwei bis drei Pferde könnten bleiben. Das heißt, Astrid und Lisa Gaarz müssten für ihre Pferde und die Reitschule eine neue Bleibe finden – bis 31. März, denn dann läuft die Frist des Landkreises ab. Fast jedes Wochenende suche ihre Tochter nach potenziellen Höfen im Umland, so Astrid Gaarz. Beide kritisieren den ihrer Ansicht nach zu kurzen Zeitraum und das zu harte Vorgehen des Landkreises. Der hingegen betont, er sei durchaus am Fortbestehen des Hofes interessiert.

 

O-Ton 2, Andrea Riedel-Elsner, 13 Sekunden

„Wir haben kein Interesse daran, dass ein solcher Reiterhof vielleicht nicht fortbestehen kann. Aber es ist so, dass er in der derzeitigen Situation schlicht nicht zulässig ist.“

 

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Unterstützung bekommt die Familie nicht nur von den zahlreichen Reitkindern und deren Eltern, die allesamt um den Fortbestand „ihrer“ Reitschule bangen, sondern auch von Politikern. Der Bürgermeister von Waake, Johann-Karl Vietor, lobt die Reitschule als ein wichtiges Element des dörflichen Lebens und betont, dass es im Dorf niemanden gebe, der gegen die Reitschule sei. Würde die Reitschule verschwinden, verlöre der Ort seinen dörflichen Charakter und letztendlich seine Attraktivität. Für Lisa Gaarz ist es wichtig, dass die 60 Kinder aus allen Ecken des Landkreises bei ihr nicht nur das Reiten und die richtige Haltung lernten, sondern auch persönlich stärker werden.

 

O-Ton 3, Lisa Gaarz, 22 Sekunden

„Für die Reitkinder ist das hier eine Anlaufstelle, wo sie wissen, dass sie hier, so wie sie sind, aufgenommen werden. Die Kinder lernen diesen fairen Umgang mit dem Individuum Pferd, aber diesen fairen Umgang halt untereinander einfach, das heißt, jedes Kind wird einfach mit all den Fehlern, die man so hat und mit all den positiven Eigenschaften, die sie haben, so genommen, wie sie sind.“

 

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Dass das womöglich in zwei Monaten vorbei sein soll, kritisieren auch die Göttinger Piraten. Aus ihrer Sicht handele es sich hier klar um Behördenwillkür. Außerdem arbeite die Beschwerdeführerin selbst beim Landkreis und könnte so ihre Position zu persönlichen Zwecken missbraucht haben. Doch das bleiben Mutmaßungen. Der Landkreis will sich dazu nicht äußern, die Beschwerdeführerin hat auf eine Anfrage des StadtRadios nicht reagiert.

Lisa und Astrid Gaarz suchen weiterhin nach einem neuen Hof, aber am liebsten möchten sie, so wie in den letzten 26 Jahren, in Waake bleiben.

Zur Verfügung gestellt vom StadtRadio Göttingen

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