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Ausstellung „abgekupfert“

Sendung: Aufgeweckt - Mehr am Morgen [Redaktion]
Autor: Tina Fibiger
vom 26.11.2013 (bisher gehört: 187 | gelesen: 796)
Dauer: 04:49 Minuten

Den antiken Bildwerken Roms widmet sich eine gemeinsame Ausstellung der Kunstsammlung der Universität mit dem Archäologischen Institut. Sie illustriert ein spannendes Kapitel Kunst- und Wissenschaftsgeschichte, das im 16. Jahrhundert mit der Wiederentdeckung antiker Statuen einsetzte. Künstler, Buchdrucker, Verleger und
Gelehrte begeisterten sich für die historischen Bildwerke und Monumente, die dann auch in Graphiken und Kupferstichen verewigt wurden. „Abgekupfert“ nennt sich die Ausstellung mit Exponaten aus der Gipsabdrucksammlung des archäologischen Institutes und den Motiven aus der Kunstsammlung der Universität. Von einem Ausstellungsbesuch im Alten Auditorium berichtet Tina Fibiger

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Manuskript

Text

Der Ausstellungstitel „abgekupfert“ sei ganz wörtlich zu nehmen, meint der Kustos des archäologischen Institutes Daniel Graepler, der auch die Sammlung der Gipsabgüsse antiker Statuen betreut. Im Wesentlichen sind es Kupferstiche, sagt er, die nach berühmten Monumenten und Skulpturen gearbeitet worden sind und dass die Kunstsammlung in Göttingen davon eine ganz wunderbare Auswahl besitzt.

 

O-Ton 1, Daniel Graepler, 25 Sekunden

„Diese Schätze mal in Konfrontation mit dreidimensionalen Wiedergaben der Skulpturen hier zu präsentieren, das ist das Hauptanliegen dieser Ausstellung: Um zu zeigen, wie über den Prozess des Abkupferns im Sinne von Reproduzieren diese Dinge, die für die meisten unerreichbar dort im fernen Rom gestanden haben, dann überall in Europa eben bis in den Norden hinauf, bis nach Göttingen und noch viel weiter, greifbar wurden.“

 

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Die europäische Bildungswelt des 16. Jahrhunderts hatte Kurs auf Rom genommen, berichtet Graepler, und widmete sich nun den antiken Hinterlassenschaften: Den Köpfen antiker Herrscher, den stattlichen Monumenten von Castor und Pollux oder der Gestalt des Herkules, der später auch eine plastische Nachahmung in Kassel fand.

 

O-Ton 2, Daniel Graepler, 13 Sekunden

„Rom wurde nun zum Bezugspunkt nicht nur für die geistigen, die religiösen Eliten sondern auch vor allem für die Ausbildung der europäischen Künstlerschaft, die nach Rom gepilgert ist, um sich dort an den Vorbildern zu schulen.“

 

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Die Ausstellung ist in sieben Sektionen gegliedert, auch unter dem Aspekt der medialen Annäherung an die historischen Originale und deren Verbreitung. Zeichnungen, Skizzen und Kupferstiche wurden zu bibliophilen Sammlungen kombiniert. Die aufstrebende Buchdruckkunst erweitere ihr Repertoire um Bildbände, die die langatmigen Beschreibungen über die römische Antike ablösten und anschauliches Material lieferten. In den Künstlerwerkstätten vertiefte sich wiederum die Auseinandersetzung mit den antiken Vorbildern, an denen mitunter sogar akribisch Maß genommen wurde, wie zum Beispiel an der berühmten Venus von Medici, die in der Ausstellung zu sehen ist. Auf einer Zeichnung sind die einzelnen Körperpartien mit genauen Abständen markiert. Wie Graepler erklärt, ging es dabei auch um die Frage, ob sich Kunst in Regeln fassen lasse, so dass sie praktisch wie eine Wissenschaft lehrbar sei.

 

O-Ton 3, Daniel Graepler, 17 Sekunden

„Eine verborgene Gesetzmäßigkeit, die es zu erfassen gilt für den neuzeitlichen Künstler, damit er dann eben auch so mustergültige Werke produzieren kann. Nichts kann nach Auffassung der damaligen Zeit die vorbildliche Gestalt des Körpers so klar vor Augen führen wie ein berühmtes antikes Werk.“

 

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Auch auf den Begründer des Göttinger Archäologischen Institutes, Christian Gottlob Heyne, verweist die Ausstellung. Seine Lehrveranstaltung war ungeheuer gefragt, berichtet der Archäologe und Kunsthistoriker. Im 18. Jahrhundert gehörte es inzwischen zum guten Ton, sich in der Antike gut auszukennen, sagt er, und sich über antike Statuen sachkundig zu machen. Studenten aus ganz Europa waren nach Göttingen gepilgert, um Heines Vorlesung zu hören und um den Beginn seiner Sammlung von Gipsabgüssen zu begutachten: So wie sie nun in der Ausstellung mit den Betrachtungen von Malern, Zeichnern, Kupferstechern und Buchdruckern korrespondieren, die sich ihr eigenes Bild von der römischen Antike und ihren Hinterlassenschaften machten.

Zur Verfügung gestellt vom StadtRadio Göttingen

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