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Göttinger Lehrforschungsprojekt „PflegeKultur“: Der Pflegeberuf im Fokus

Sendung: Mittendrin [Redaktion]
Autor: Alice Mierswa
vom 06.04.2017 (bisher gehört: 214 | gelesen: 288)
Dauer: 04:12 Minuten

Der Pflegebedarf in unserer Gesellschaft wächst, doch das Berufsbild von Pflegekräften steht oftmals in keinem guten Licht. Welche Motivation bringt Menschen dazu in der Pflege zu arbeiten? Diese und weitere Fragen bestimmten die Arbeit im Lehrforschungsprojekt „PflegeKultur – CareCulture“ vom Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie an der Universität Göttingen. Studierende haben in dem Projekt unter der Leitung von Dozenten die Möglichkeit, eigene Forschungsthemen zu verfolgen. Alice Mierswa hat sich mit den Beteiligten getroffen.

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Manuskript

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In einer Gesellschaft, die durch Überalterung und Geburtenrückgang gekennzeichnet ist, sind die Themen Pflege und Pflegenotstand von enormer Wichtigkeit. Das Lehrforschungsprojekt „PflegeKultur – Care Culture: Alltags- und Berufspraxen im Umbruch“ setzt sich mit dem Berufszweig „Pflege“ auseinander. Regina Bendix vom Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie und Sabine Wöhlke vom Institut für Ethik und Geschichte der Medizin leiteten das Projekt, das im Herbst 2015 begann. In dem Projekt sei vor allem darum gegangen, wie wichtig Fürsorge in unserer Gesellschaft ist, besonders im Bereich der Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflegeberufe, so Bendix.

 

O-Ton 1, Regina Bendix, 43 Sekunden:

„Also wir haben das Thema breit angepackt und haben uns dann aber entschieden uns spezifisch auf die Frage von 'Was für kulturelle Grundlagen und Muster gibt es denn eigentlich unter den Menschen, die in Pflegeberufen drin sind. Eigentlich mit dem Interesse für diese Berufe auch zu werben, aber auch um den Menschen Anregung zu geben, auch selbst zu reflektieren: ‚In was für einem Beruf bin ich denn hier eigentlich tätig? Was kann ich selber tun, um diesen Beruf für mich auch besser auszugestalten?’“

 

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Das Lehrforschungsprojekt ist Bestandteil des Masterstudiengangs Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie und erstreckt sich im Regelfall über das 1. und 2. Mastersemester. Das Projekt ist ein Versuch, den Studierenden neben der Ausbildung im Fach Kulturanthropologie auch das praktische Arbeiten näher zu bringen, erklärt Bendix.

 

O-Ton 2, Regina Bendix, 19 Sekunden:

„Das heißt, dass sie ein Thema erarbeiten mit Feldforschung, mit Literaturrecherche und es sich aneignen. Und aus diesen Projektergebnissen dann auch ein Produkt erstellen für eine breitere Öffentlichkeit, zum Beispiel eine Ausstellung, eine Buchpublikation, eine Homepage, etc.“

 

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Die Studierenden arbeiten sich bei dem Projekt erst weit in das Thema ein, bevor sie dann einen Themenbereich für sich identifizieren, in dem sie forschen wollen. Vor Beginn des Projekts hatten Bendix und Wöhlke Kontakte zu Pflegeeinrichtungen in der Region geknüpft, um Zugänge zum Forschungsfeld zu öffnen. Dazu gehörte unter anderem die Kinder- und Krankenpflegeschule. Einige der Studierenden waren vor allem an den Gründen für die Berufswahl „Pflege“ interessiert. Auch für die beiden Leiterinnen stellte die Motivation der Pflegenden ein zentrales Thema dar, erläutert Wöhlke.

 

O-Ton 3, Sabine Wöhlke, 26 Sekunden:

„Der Pflegebedarf wächst zunehmend in unserer Gesellschaft. Auf der anderen Seite ist Pflege ein sehr alter Beruf mit einer langen Tradition. Und bei all diesen neuen Herausforderungen, die sich diesen vielfältigsten Pflegeberufen, sei es in Pflegeeinrichtungen oder auch im Krankenhaus, stellen, hat sich für uns immer so die Frage irgendwie ergeben 'Was ist eigentlich so im 21. Jahrhundert das Selbstverständnis von Pflegenden? Warum erlernt man heute noch diesen Beruf?'“

 

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Gerade in den Medien werde ein negatives Bild der Pflegeberufe verbreitet. Oft würden Ausbeutung, geringer Lohn und Pflegeskandale in den Vordergrund der Berichterstattung gerückt, so Wöhlke. Neben den Beweggründen beschäftigten sich die Masterstudierenden mit Themen wie der Pflege Demenzkranker, der Darstellung von Pflegenden in den Medien und der Akademisierung der Pflege. Tami Wehrmann, die Kulturanthropologie und Politikwissenschaft studiert, ging den Zusammenhängen zwischen Politik und Pflege nach:

 

O-Ton 4, Tami Wehrmann, 21 Sekunden:

„Wir hatten verschiedene Gäste im Seminar zu Besuch und dort wurde eben immer gesagt, dass es halt viele Probleme in der Pflege gibt, aber sich darum halt nicht in der Politik gekümmert wird. Aber zum Beispiel Pflegende sich auch gar nicht für Politik interessieren, für die Berufspolitik der Pflege. Und dann habe ich mich halt gefragt 'Okay, wie kann man denn diese beiden Bereiche vereinen? Also Pflege und Politik?’“

 

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Die Ergebnisberichte der einzelnen Forschungen wurden nach dem Projekt auf einer Website gesammelt. Die Studierenden entwickelten aus ihren Forschungsergebnissen unter anderem Comics, Audiobeiträge und Rollenspiele. Neben diesen Lehrmaterialien war das Projekt auch ein Beitrag zur Pflege-Forschung im Fach Kulturanthropologie. Bendix betont, dass im Fach noch ein Forschungsdefizit bestünde und das Lehrforschungsprojekt daher auch eine Anregung zu mehr Forschung in diesem Feld sein sollte.

 

Links / Verweise

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