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Teenager im Internet – Fachtagung Medien in Einbeck

Sendung: Der Nachmittag - Information zum Feierabend [Redaktion]
Autor: Serafia Johansson
vom 20.10.2014 (bisher gehört: 77 | gelesen: 558)
Dauer: 03:45 Minuten

Digitale Medien spielen eine bedeutende Rolle in unserem Alltag. Längst werden sie täglich genutzt, nicht nur von Erwachsenen, sondern auch von Kindern. Am Samstag hat der Landkreis Northeim deshalb eine Fachtagung organisiert, bei der es um Perspektiven, Trends und Möglichkeiten der Mediennutzung ging und darum, wie diese von Jugendlichen, Eltern und pädagogischen Fachkräften genutzt werden können. Serafia Johansson hat sich bei der Fachtagung an der Berufsbildenden Schule Einbeck umgehört und vor allem eins gelernt: Die Welt hat sich verändert.

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Fachtagung 1 (Foto: Senger)
Fachtagung 2 (Foto: Senger)

Manuskript

Text

Die Jugend verödet vor den Bildschirmen, verliert durch soziale Medien den Bezug zur Realität und wird vor allem eins: Süchtig. Die Angst vor Abhängigkeit hatte auch die Elterngeneration im 18. Jahrhundert. Damals hieß das neue Medium: Der Roman. Lesen hieß „Lesewut“ und wurde mitunter sogar „Hochverrat an der Menschheit“ genannt. Dieses Beispiel zeigt vor allem eins: Neues macht Angst. Das weiß auch Benjamin Große, zuständig beim Landkreis Northeim für Kinder, Jugend und Familie.

 

O-Ton 1, Benjamin Große, 23 Sekunden

„Ich denke, dass die neuen Medien seit jeher mit Ängsten behaftet sind. Zum einen weil jetzt noch die Diskrepanz ist zwischen Eltern, die nicht damit aufgewachsen sind und Kindern, die mit den digitalen Medien jetzt schon aufgewachsen sind. Es birgt auch immer eine Gefahr, so ein neues Medium. Man muss erst lernen damit umzugehen, man muss wissen, was darf ich damit und was nicht, wie kann ich damit kreativ umgehen, wo kann ich die Medien auch dann sinnvoll benutzen.“

 

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Wie etwas sinnvoll genutzt wird, ist jedoch keine Frage des Mediums, sondern eine Frage der Sozialkompetenzen. An diesem Punkt müssen pädagogische Fachkräfte einsetzen, damit die „Generation digital“ sich nicht selbst schadet. Das bedeutet aufzuklären, zum Beispiel über den Missbrauch im Internet. Denn viele Menschen gehen ganz unbedacht mit ihren eigenen Daten um. Falsch hingegen sei es zu glauben, Jugendliche seien nicht in der Lage, zum Beispiel pornographische Bilder, die sie im Internet sehen, zu reflektieren, sagt Tanja Opitz von der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen.

 

O-Ton 2, Tanja Opitz, 30 Sekunden

„Wir wissen aber, dass die meisten Jugendlichen trotzdem immer noch genauso süß und verliebt sind, wie wir es waren, als wir jung waren. Und die wissen, dass es schwierig ist, jemanden anzusprechen. Die wissen, dass es schwierig ist, das erste Mal sich zu küssen, wissen, dass Sex im Normalfall anders ist. Wenn wir also von den Risiken von Pornographie reden, dann reden wir sicherlich von den problembelasteten Jugendlichen, also die, die unreflektiert das alles aufnehmen. Da sind aber, meiner Meinung nach, nicht nur die Medien Schuld, sondern eben auch das Umfeld, was das Ganze unhinterfragt vielleicht noch verstärkt.“

 

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Das Internet kann aber auch ein Verstärker sein, so wie beim so genannten Cybermobbing. Brigitte Hamacher ist psychologische Beraterin und Coach. Sie unterstützt in ihrer Arbeit Menschen, die dem Cybermobbing zum Opfer gefallen sind. Hamacher erklärt das Phänomen.

 

O-Ton 3, Brigitte Hamacher, 23 Sekunden

„Cybermobbing ist, wenn ich im Netz diskriminiert werde, beschimpft werde, wenn Gerüchte über mich verbreitet werden. Irgendwelche Flashmobs organisiert werden gegen mich, eine Welle auf mich zurollt, die ich nicht mehr im Griff hab, die ich auch nicht mehr bewältigen kann, weder emotional, noch vom Schriftverkehr her.“

 

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Auch hier sind es die fehlenden Kompetenzen, die das Problem heraufbeschwören. Wer vergessen habe, wie die Regeln der Kommunikationen im wahren Leben lauten, sagt Hamacher, könne sie erst recht nicht im Netz beherzigen. Häufig wird kritisiert, dass Jugendliche durch die Nutzung von Smartphones und Apps wichtige Kompetenzen verlören. Medienreferent Cornelius Scheier sagt, vieles, was man früher lernen musste, ist heute schlichtweg nicht mehr nötig.

 

O-Ton 3, Cornelius Scheier, 30 Sekunden

„Ich denke, hier sind es einfach Kulturtechniken, die wir auch gar nicht mehr so dringend benötigen. Dafür macht es den Kopf und die Synapsen frei, das anders zu verknüpfen. Also auch Schule muss eben auch dahin gehen zu sagen: ´Wir trainieren hier nicht gewisse einzige geistige Kompetenzen, wie das Auswendiglernen, sondern müssen den kritischen Blick auf unsere Gesellschaft schulen.´“

 

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Mit den Vorurteilen, dass Computerspiele Gewalt hervorrufen oder frei zugängliche Pornographie im Internet alle Jugendlichen verrohen würde, hat die Fachtagung in Einbeck aufgeräumt. Digitale Medien sind nicht Schuld an den schulischen oder privaten Problemen der jungen Menschen, sind aber häufig der Ort an dem diese zu Tage kommen. Lehrer und Eltern sollten die Verantwortung auch bei sich suchen und sich öffnen für eine neue Welt.

Zur Verfügung gestellt vom StadtRadio Göttingen

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