Sendung: Mittendrin Redaktion
AutorIn: Regina Seibel
Datum:
Dauer: 03:38 Minuten bisher gehört: 151
Vor etwa drei Monaten hat das Max-Planck-Institut (MPI) die Ergebnisse der beiden Testläufe des EcoBus vorgestellt. Auch wir haben im StadtRadio darüber berichtet. Die Kleinbusse wurden gut angenommen und bieten eine nachhaltige Art der Mobilität. Fabian Maus, ein Student an der HAWK in Göttingen, widmete sich in seiner Masterarbeit dem EcoBus-Projekt. Dabei setzte er aber einen ganz neuen Fokus. Er untersuchte, inwiefern das System des EcoBus auch in Afrika angewandt werden kann. Regina Seibel hat sich nach den Ergebnissen erkundigt.
Dieser Beitrag wird Ihnen präsentiert von: Das Backhaus

Manuskript

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Fabian Maus absolvierte sein Masterstudium in den Fächern Elektrotechnik und Informationstechnik an der HAWK in Göttingen. Auf die Idee zu seiner Masterarbeit kam er unter anderem durch seine Mitarbeit am EcoBus-Projekt im MPI. Sechs Monate setzte sich Maus damit auseinander, inwiefern eine Umsetzung dieses Systems auch in der Südsahara-Region möglich wäre. Welches Fazit sich aus der Arbeit ergab, berichtet Bernd Stock, Professor an der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik an der HAWK, und Betreuer der Abschlussarbeit:

 

O-Ton 1, Bernd Stock, 17 Sekunden

Das grundlegende Fazit ist, dass auch Namibia und Südafrika das System mit der dort vorhandenen Infrastruktur eigentlich implementieren wird können. Oder vielleicht ein bisschen vorsichtiger ausgedrückt, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist und durch die Untersuchung von Herrn Maus gestützt wird.“

 

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Maus erklärt, dass sich andere Studenten bereits mit dem Taxisektor in Afrika auseinandergesetzt hätten. Die Situation sei dort allerdings alles andere als optimal und eine Erweiterung des Nahverkehrsangebots wäre nötig:

 

O-Ton 2, Fabian Maus, 25 Sekunden

Allgemein ist es eben so, dass so der Linienverkehr, den wir kennen, gibt es dort fast gar nicht, wird halt auch kaum benutzt. Der Taxisektor ist eben größtenteils selbst organisiert in Taxiassociations. Die stellen im Prinzip feste Routen, sagen halt, okay wir fahren jetzt von hier in die Stadt und irgendwann wieder zurück. Das heißt, es ergeben sich lange Wartezeiten für die Leute und dann ist das eben geprägt von maroden Autos und einer hohen Kriminalitätsrate.“

 

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Mit den bisherigen Erkenntnissen aus dem EcoBus-Projekt konnte Fabian Maus Kriterien ermitteln, um herauszufinden, ob die Verwirklichung eines Kleinbus-Systems auch in Südafrika und Namibia möglich wäre. Da die Kleinbusse hauptsächlich über eine Smartphone-App gebucht werden, musste unter anderem untersucht werden, ob in der Region ein stabiles Mobilfunknetz vorhanden ist:

 

O-Ton 3, Fabian Maus, 14 Sekunden

Es gibt eben starke Unterschiede, was das Mobilfunknetz zum Beispiel angeht, ob es in der Stadt ist oder auf dem Land. Auf dem Land ist es halt entsprechend schlechter. Und dann muss man einfach gucken, wenn man sich jetzt ein Zielgebiet ausgesucht hat, wie sieht das Mobilfunknetz aus? Reicht dir das einfach, um die notwendige Datenrate zu realisieren.“


 

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Aus seiner Untersuchung ergab sich, dass es in ländlichen Regionen in Namibia wegen des schlechten oder gar nicht vorhandenen Netzes teilweise schwierig sei, das System anzuwenden. In den Städten gäbe es hingegen keine Probleme mit dem Netz. Auch seien gängige Smartphone Modelle in den gewählten Gebieten weit verbreitet, sodass die Installation und Nutzung der App grundsätzlich in den Ländern möglich sei. Von der Umsetzung des EcoBus würden also viele der Einwohner profitieren, so Maus.

 

O-Ton 4, Fabian Maus, 27 Sekunden

Das System bedeutet so gut wie keine Wartezeiten im Auto, bis es irgendwann mal losgeht, sondern die Leute buchen den Bus und kriegen eine Abholzeit genannt. Das heißt, es ist effizienter. Und es ist, auch wenn man das nicht vermutet, aber auch für den Fahrer effizienter, weil er halt nicht stillsteht im Normalfall, sobald das System halt einigermaßen etabliert ist und ausgelastet ist. Und er eben auch wenig Kilometer ohne Profit fährt. Mit dem System kann man über den ganzen Tag verteilt eben gucken, wo sind die Anfragen und wo kann ich die Fahrer hinschicken?“

 

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Bernd Stock betont, dass es aus Sicht der HAWK eine wichtige Sache sei, dass sich Studenten und Universitäten mit solchen Themen auseinandersetzen. Projekte, die der Nachhaltigkeit dienen würden, seien nämlich nicht nur interessant, sondern es helfe der Welt auch weiter, an ihnen mitzuarbeiten.