Geschrieben von Jennifer Bullert
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Nach dem starken Anstieg der Corona-Infektionen in Göttingen wird zunehmend Kritik an der medialen Berichterstattung sowie der Stadtverwaltung laut. Jüngst zeigten sich das Roma Antidiscrimination Network (RAN) und der Göttinger Integrationsrat besorgt darüber, dass die Bewohner des Iduna-Zentrums stigmatisiert würden und sich Hetze ausbreite. Die Presse habe die Stellungnahmen und Pressemitteilungen der Stadt übernommen, ohne diese hinterfragt zu haben, kritisiert das RAN. Dabei seien in der Berichterstattung stigmatisierende Begriffe verwendet und betroffene Personen seien als leichtsinnig und verantwortungslos dargestellt worden. Wie das RAN mitteilte, habe sich ein infizierter Hausbewohner, der nicht zu den Großfamilien gehört habe mehrmals über die Quarantäne-Auflagen hinweg gesetzt. Trotz Hinweisen an die Stadt habe diese anfangs nicht reagiert und suche die Verantwortung nun bei den Hausbewohnern, so das Netzwerk. Kritisch sieht es auch, dass bei den täglichen Pressekonferenzen kein Bewohner des Wohnhauses eingeladen worden sei, um die Situation aus seiner Sicht zu schildern. Auf Anfrage des StadtRadio Göttingen hat die Stadt bislang noch nicht auf die Vorwürfe reagiert. Der Göttinger Integrationsrat bezeichnete die Zusammenarbeit der Stadtbewohner und der Verwaltung hinsichtlich der Corona-Maßnahmen bis zum 28. Mai als vorbildlich. Mit Bekanntwerden der Corona-Fälle im Iduna-Zentrum habe sich über die sozialen Medien dann jedoch eine „Welle der rassistischen und diskriminierenden Hetze“ ausgebreitet. Auch die Art und Weise der medialen Berichterstattung habe Vorurteile geschürt. Vor diesem Hintergrund bittet der Integrationsrat die Stadtverwaltung um Klärung des Sachverhalts „bis ins kleinste Detail“. Im Wohnkomplex hätten die betroffenen Familien derweil selbst Maßnahmen ergriffen, erklärte das RAN. Infizierte Bewohner würden sich demnach aktuell eine Wohnung teilen, Nichtinfizierte dementsprechend eine andere. Zudem würden sie ihre in Quarantäne befindlichen Angehörigen versorgen.