Geschrieben von Jennifer Bullert
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Bereits bevor gestern eine zweite Demonstration an der Groner Landstraße stattgefunden hat, haben sich verschiedene Parteien erneut zu den Ausschreitungen vom vergangenen Wochenende geäußert. Die Grüne Jugend Niedersachsen kritisiert dabei vor allem die prekären Wohnverhältnisse. Sprecherin Tomke Appeldorn forderte in diesem Zusammenhang, auch über Vergesellschaftung und Enteignung nachzudenken. Angemessener Wohnraum sei ein Grundrecht. Svenja Appuhn, ebenfalls Sprecherin der Grünen Jugend Niedersachsen, bezeichnete die Wohnraumproblematik als Problem, das lange bekannt sei und vernachlässigt wurde. Dabei verwies sie auch auf die dringende Notwendigkeit von mehr sozialem und bezahlbarem Wohnraum. Der Göttinger Stadtverband der CDU verteidigte die Quarantänemaßnahmen für den Wohnkomplex unterdessen, forderte aber ebenfalls ein Handeln der Stadtverwaltung hinsichtlich der sozialen Brennpunkte. Die Stadt habe zu lange weggesehen, was die prekäre Entwicklung einzelner Wohnanlagen angehe. Der Stadtverband macht aber auch die Demonstranten für die Eskalation am Samstag verantwortlich. Gewalt gegen Einsatzkräfte sei nicht hinnehmbar. Wie der stellvertretende Stadtverbandsvorsitzende der CDU, Thomas Deppe, erklärte, dürfen nicht alle Bewohner pauschal verallgemeinert werden. Von den insgesamt 700 Bewohnern lagen nach den von der Stadt veranlassten Tests insgesamt rund 120 positive Befunde auf das Coronavirus vor. Nicht alle hätten gegen die Kontakt- und Hygienebeschränkungen verstoßen, so Deppe weiter. Der Göttinger Bundestagsabgeordnete der Grünen, Jürgen Trittin, zeigte sich gestern Abend erfreut darüber, dass die ersten Bewohner nach zwei negativen Testergebnissen nun wieder das Gebäude verlassen durften. Er vermutet, dass dies die Situation nun entspannen werde.