Seit heute morgen führen die Stadt Göttingen in Zusammenarbeit mit der niedersächsischen Polizei einen Großeinsatz am Gebäudekomplex in der Groner Landstraße 9 durch. Das gaben die Stadt sowie die Polizei in einer gemeinsamen Mitteilung bekannt. Hintergrund ist nach Angaben der Sozialdezernentin Anja Krause Beschwerden der Bewohner über den Zustand der Immobilie und die Insolvenz einer der Eigentümerfirmen. Ziel des Einsatzes ist laut Angaben von Stadt und Polizei eine Ortsbegehung des Immobilienkomplexes. Wie die Polizei auf der Plattform „X“ betont, sei der Einsatz keine Razzia. Die Polizei wolle gemeinsam mit der städtischen Stabsstelle zur Verbesserung prekärer Wohnimmobilien in Kontakt mit den Einwohnern des Gebäudes kommen. Während des Einsatzes steht den Bewohnern des Komplexes eine Info-Hotline der Stadt zur Verfügung. Krause betont, dass die Stadt die Bewohnerinnen und Bewohner unterstützen möchte und dafür sich einen Überblick über die Verhältnisse verschaffen möchte. Hierfür setzt die Polizei auch Drohnen ein, die ein möglichst vollständiges Bild des Gebäudes erfassen sollen. Dem StadtRadio Göttingen gegenüber zieht Dezernentin Krause ein gemischtes Fazit über den Zustand des Hauses: "Es ist ganz Unterschiedlich. Wir waren in einigen Wohnungen da gab es anscheinend Feuchtigkeitseinbruch, ob jetzt übers Dach oder übers Fenster. Die sind in einem wirklich schlimmen Zustand, auch die Badezimmer sind nicht in einem guten Zustand und wir sind in Wohnungen gewesen die sind pico bello da ist alles wunderbar - da ist überhaupt kein Mangel zu sehen. Man kann das nicht so pauschal sagen das ist alles irgendwie ganz heruntergewirtschaftet. Das ist fast von Wohnung zu Wohnung unterschiedlich."
Gespräche der Bewohner mit der Stadt und der Polizei erfolgen laut Krause auf freiwilliger Basis. Der Zugang zum Wohnungskomplex ist aber nur begrenzt und unter Vorzeigen eines Ausweises möglich. Kritik bekommt das Vorgehen von Stadt und Polizei unter anderem vom Kreisverband Göttingen/Osterode der Partei Die Linke. Kreissprecherin Lisa Zumbrock benennt den Einsatz als „völlig unverhältnismäßig“. Die Maßnahmen würden eher einer Hausdurchsuchung ähneln als einer Ortsbegehung. Laut Zumbrock sorge die Polizei mit ihrem Aufgebot dafür, dass in der Göttinger Bevölkerung Ressentiments geschürt würden. Der Einsatz erwecke den Anschein, dass eigentlich andere Dinge gesucht seien als Gebäudemängel, so Zumbrock. Dieser Sachverhalt müsse laut ihr aufgeklärt werden.