Forscher der Universität Göttingen decken Erbgutkontrolle bei weißen Blutkörperchen auf
Ein Forscherteam der Universität und Universitätsmedizin Göttingen hat biophysikalische Prozesse untersucht, die die Freisetzung des Erbguts bei weißen Blutkörperchen kontrollieren. Diese bekämpfen Eindringlinge wie Bakterien oder Tumorzellen im Blut. Bestimmte Arten weißer Blutkörperchen, sogenannte Neutrophile, schleusen ihr eigenes Erbgut aus, um diese Fremdkörper einzufangen und zu töten. Bei diesem NETose genannten Vorgang war bislang unklar, wie das Erbgut aus dem Zellkern und der Zelle heraus gelangt. Die Wissenschaftler konnten ein Anschwellen des Erbguts aufzeigen, dass zunächst die Hülle des Zellkerns und anschließend die äußere Zellmembran sprengt. Luise Erpenbeck von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der UMG, vergleicht den Vorgang mit der Erhitzung von Maiskörnern bei der Herstellung von Popcorn. Erbgut speichere nicht nur genetische Informationen, sondern fungiere „als aktives Material, das die Form, Struktur und sogar Funktion von Zellen beeinflusst“, so Sebastian Kruss vom Institut für Physikalische Chemie der Universität Göttingen. Die Wissenschaftler erwarten von ihren Ergebnissen weitreichende medizinische Folgen für die Behandlung von entzündlichen Erkrankungen.