Geschrieben von Jeanine Rudat
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Rund 400 Menschen antirassistischer und migrantischer Netzwerke haben sich am vergangenen Wochenende in Göttingen zu einer gemeinsamen Konferenz getroffen. Bei der „Konferenz für eine große Koalition des Antirassismus“ setzten sich die Teilnehmer in Workshops unter anderem mit den Themen Migrationspolitik, Stabilisation der EU-Außengrenzen und Großabschiebungen in der EU auseinander. Diese Zusammenkunft sei seit Jahrzehnten der erste Brückenschlag zwischen selbstorganisierten Bewegungen von Geflüchteten und Post-Migranten, Unterstützern und wissenschaftlichen Institutionen, so ein Mitglied des Netzwerks „kritnet“. Die Aktivistin, die anonym bleiben möchte, über die Gründe für die Zusammenkunft der verschiedenen Netzwerke: „Weil verschiedene Netzwerke aus der Akademie, aus dem Aktivismus, aus verschiedenen politischen Sphären, glaube ich, alle die Notwendigkeit gerade verspüren, dass wir mit unseren einzelnen Praktiken den gesellschaftlichen Entwicklungen - wie wir sie gerade auf den verschieden Ebenen erleben, wie sie sich kombiniert haben, erst vor kurzem in Ellwangen, als eine Abschiebungsverhinderung zum großen staatspolitischen Ereignis wurde - dass wir unsere Kräfte, wir müssen sie verbinden, wir müssen unsere Kämpfe verstärken, vergrößern, mehr gesellschaftliche Gruppen miteinbeziehen.“ Das Netzwerktreffen solle ein Signal in Richtung der politischen Verschärfung aussenden, die seit 2016 national und auf europäischer Ebene versuche, die Bewegungen der Migration wieder unter Kontrolle zu bekommen, so die Aktivistin. Zum ersten Mal sind die Netzwerke der antirassistischen Bewegungen in dieser Form versammelt gewesen, um sich zu vernetzen und auszutauschen, sowie Aktivismus und Wissenschaft zusammenzubringen. Mit dabei waren nationale und internationale Gruppen, unter anderem das bundesweit tätige Netzwerk „We'll Come United“, der Forschungszusammenhang „kritnet“, der Zusammenschluss „Solidarity Cities“ und der „Gesprächskreis Migration“ der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Die Organisatoren der Ellwangen Demonstration: Isaiah Ehrauyi und Alassa Mfouapon. (Bild: Lina Küther)

Schauspieler Riadh Ben Ammar spielt in seinem Stück "Eldorado - Europa" die Geschichte eines Geflüchteten in Deutschland und seinen Alltag, der geprägt ist von endlosem Warten, Bangen vor eine Abschiebung, Kriminalisierung und Rassismus. (Bild: Lina Küther)

Nach dem Theaterstück folgt eine Podiumsdiskussion mit den Vertretern der Netzwerke: Massimo Perinelli (Gesprächskreis Migration, RLS), Katharina Braun (kritnet), Janika Kuge (Solidarity City), Newroz Suman (We'll Come United) und Ali. (Bild: Lina Küther)

Frida Kühn nimmt teil an einer Fotoaktion auf der Konferenz, die auf die Abschiebepraxis aufmerksam machen soll. (Bild: Lina Küther)