Wie sicher ist Göttingen? Die Polizei Göttingen veröffentlicht die Kriminalstatistik 2018
| Sendung: | Mittendrin Redaktion |
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| AutorIn: | Nicklas Krämer |
| Datum: | |
| Dauer: | 04:53 Minuten bisher gehört: 1307 |
Manuskript
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Als erster beruhigender Punkt lässt sich festhalten, dass die Kriminalität kontinuierlich abnimmt. Der Landkreis Göttingen hat 2018 rund 20.500 Fälle registriert. Das ist der niedrigste Wert seit 1999. Davon hat die Göttinger Polizeiinspektion 61 Prozent aufklären können. Eine Aufklärungsquote von 100 Prozent verzeichnet sie bei den 15 Tötungsdelikten des vergangenen Jahres. Darunter fällt auch der eskalierte Streit in der Unteren Karspüle im Dezember vergangenen Jahres. Einen besonderen Erfolg hat die Polizei bei Einbruchsdiebstählen verzeichnet. Die Anzahl der Einbrüche ist von circa 680 auf 380 gefallen. Bei einem Drittel der Taten ist es beim Einbruchsversuch geblieben. Hier liegt die Aufklärungsquote so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Woran das liegt, berichtet Thomas Breyer, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion Göttingen:
O-Ton 1, Thomas Breyer, 31 Sekunden
"Wir haben eine hohe Zahl von Versuchstaten. Das zeigt uns, dass die Täter in ihrem Wirken behindert werden, dass die Bürger sich darauf eingestellt haben, dass die Haussicherungen dort sind, dass die Präventionsangebote von der Polizei angenommen werden und das sind die Effekte, die sich auszahlen nachher. Ein Täter, der nach wenigen Sekunden oder Minuten noch nicht zum Ziel gekommen ist, bricht ab erfahrungsgemäß. Und darüber hinaus haben wir noch viele Bürgerinnen und Bürger, die sehr, sehr aufmerksam sind und bei kleinsten Beobachtungen es nicht scheuen, die Polizei anzurufen."
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Ein weiterer Erfolg der Kriminalitätsbekämpfung in Göttingen ist die 2016 eingerichtete Task Force Cybercrime. Durch sie konnte das Tatmittel Internet kontinuierlich eingedämmt werden. Der Großteil der mit Hilfe des Internets begangenen Straftaten sind Betrugsdelikte. Zur Bekämpfung der Cyberkriminalität beschäftigt die Polizeiinspektion drei Informatiker, die auch in anderen Bereichen der Polizeiarbeit digitale Hilfe leisten. Beispielsweise bringen sie die Entwicklung von künstlicher Intelligenz voran, um damit kinderpornografische Inhalte zu analysieren und schneller ahnden zu können. Im vergangenen Jahr konnten in der Region 32 Taten im Zusammenhang mit Kinderpornografie festgehalten werden. Der Leiter der Polizeiinspektion Göttingen, Thomas Rath, vermutet hinter dieser Zahl aber noch deutlich mehr Nutzer dieser Inhalte, da es sich in einigen dieser 32 Fälle um Unmengen an Bildmaterial handle. Kriminaldirektor Breyer bewertet die Lage wie folgt:
O-Ton 2, Thomas Breyer, 35 Sekunden
"Der jüngste Fall, der durch die Medien ging, mit Detmold, zeigt mal wieder auf, wie wichtig und wie relevant es ist, eine gute Polizeiarbeit darzulegen. Wir müssen sehr schnell erkennen, ob noch aktuelle Missbrauchsfälle vorhanden sind, ob die Täter noch ein Opfer in ihren Händen haben. Ein riesiges Datenvolumen von mehreren Terrabyte, die hier wöchentlich bei uns reintrudeln, wo wir mit wenigen Fällen sehr viel Arbeit haben und es zieht sich leider durch alle Gesellschaftsschichten. Die Digitalisierung der Welt macht da vieles möglich. Dazu kommen natürlich auch die Abschottungsmöglichkeiten über Dark Net, über Tor-Netze und dergleichen."
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Einer der wenigen Bereiche, in denen die registrierte Kriminalität gestiegen ist, ist solche gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Darunter fallen Delikte wie sexuelle Belästigung, aber auch Vergewaltigungen. Durch eine Gesetzesänderung aus dem Jahr 2017 ist es nun möglich, solche Straftaten besser zu ahnden und gegen Täter durchzugreifen. Kripochef Breyer schließt aus dem Fallanstieg ein Schwinden der Dunkelziffer. Ein weiterer Faktor der zu einem Anstieg geführt haben kann, ist, dass vor allem betroffene Frauen durch die #metoo-Debatte der vergangenen Jahre den Mut fassen konnten, sich zu wehren und auch Anzeige zu erstatten. Auch in Bereichen der häuslichen Gewalt sind überwiegend Frauen betroffen. Durch konsequentes Durchgreifen der Polizei, so Breyer, habe die Polizei auch hier die Fallzahl erneut senken können. An dieser Stelle hat der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes explizit betont, dass besonders Körperverletzungen im häuslichen Raum nicht geduldet werden: "Wer schlägt, geht." Trotz vieler Rückgange in den Fallzahlen, gibt es Gegenden, in denen sich Bürger zunehmend über Unsicherheiten beklagen. Vor allem in der nördlichen Innenstadt fühlen sich viele Bürger nicht ausreichend geschützt. Thomas Breyer über die Lage am Waageplatz:
O-Ton 3, Thomas Breyer, 30 Sekunden
"Das werden wir für 2019 nochmal besonders beleuchten. Wir werden uns den Innenstadtbereich nochmal anschauen. Waageplatz, Sie sagten es – die Kriminalitätsbelastung ist dort nicht außergewöhnlich. Es werden sich dort immer wieder Aktionen vollzogen haben. Das haben wir auch dargestellt, aber es ist nicht so, dass wir da offene Raubzüge haben oder dergleichen. Dennoch ist das Unsicherheitsgefühl gewissermaßen da. Wir müssen gucken, dass wir auch da das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung weiter stärken, aber glauben Sie mir: In Göttingen kann man ganz sicher leben."
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Um die Polizeipräsenz zu stärken sollen außerdem, sobald die rechtliche Grundlage dafür gelegt ist, Bodycams zum Einsatz kommen. Bisher wurden diese nur in Hildesheim getestet. Sie nehmen Angreifern die Anonymität und wirken vor allem Gewalt gegen Polizeibeamte entgegen. Die Daten der Körperkameras sollen auf polizeieigenen Servern gespeichert und, sollten sie nicht als Beweismaterial gesichert werden, automatisch gelöscht werden.
Zur Verfügung gestellt vom StadtRadio Göttingen
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