Sendung: Mittendrin Redaktion
AutorIn: Marco Diekmann
Datum:
Dauer: 03:34 Minuten bisher gehört: 54
Vergangenes Jahr hat sich die Electroband Daft Punkt nach erfolgreichen Jahrzehnten plötzlich aufgelöst/getrennt. Ein Umstand, der zur Reminiszenz an die alten Tage der Band einlädt. Und im Zuge dessen ist ein Film aus den 70er Jahren ganz besonders interessant, der oft von Daft Punk als eine ihrer größten Inspirationen genannt wurde. Brian De Palmas „Phantom of the Paradise“ erzählt die Geschichte des jungen Musikers Winslow Leach, der durch einen brutalen Unfall mit einer Plattenpresse dazu gezwungen wird sein Gesicht mit einer Maske zu verhüllen, und seitdem in einem Nachtclub sein Unwesen treibt.

Manuskript

Text

 

Paul Williams spielt, Swan dem ultimativen Musikmagnaten, und Besitzer von so vielen goldenen Schallplatten, dass er bereits versuchte, sie in Ford Knox unterzubringen. Er ist eine außerordentlich mysteriöse Figur, die sich selten in der Öffentlichkeit zeigt, und auf keinen Fall fotografiert werden möchte. Als der erfolglose Musiker und akute Träumer Winslow Leach, gespielt von William Finley, bei ihm mit seiner Rockkantate „Faust“ vorspielt, ist Swan höchst angetan und möchte die Musik für die Eröffnung seines neuen Nachtclubs dem „Paradise“ verwenden. Jedoch muss Winslow schnell feststellen, dass Swan kein Interesse daran hat, Winslow als Komponisten zu nennen. Bei einem Besuch in Swans Villa, wo Winslow auf die bezaubernde Phoenix, gespielt von Jessica Harper, trifft, die dort vorsingen möchte, wird Winslow von Swan kurzerhand eine Straftat angehängt, um den nervenden Musiker im Gefängnis loszuwerden. Dort werden ihm als Teil eines experimentellen Programms im Sinne der Mundhygiene die Zähne entfernt und durch ein Metallgebiss ersetzt. Es beginnt Winslows Verwandlung zum Phantom, welche darin gipfelt, dass Winslow nach einem Gefängnisausbruch im Presswerk bei dem Versuch, Swans Platten zu vernichten, versehentlich selbst mit seinem Kopf in eine Plattenpresse gerät, die ihm nicht nur die Hälfte seines Gesichts bis zur Unkenntlichkeit verbrennt, sondern ihm auch sein eigentliches Kapital, nämlich seine Stimme raubt.

 

Mit einer silbernen Vogelmaske und in schwarzem Leder gehüllt versteckt sich Winslow in Swans Paradise und begeht einen Bombenanschlag auf die Band, die als bizarres Abziehbild der Beach Boys Winslows emotionale Kantate zu einem hirnlosen Song über Autos verhunzt hat. Daraufhin bietet Swan Winslow an, er würde seine Kantate unverfälscht aufführen, sofern er sie überarbeiten würde. Winslow, der dank eines Apparates von Swan nun mit elektronischer Stimme wieder sprechen kann, unterzeichnet den Vertrag, mit der Bedingung, dass nur Phoenix seine Lieder singen darf. Was Winslow jedoch nicht weiß: Swan hat nicht vor sich an sein Wort zu halten, und ist darüber hinaus mit niemand geringerem als Satan höchstpersönlich im Bunde.

 

Bis hierhin hört sich der Film ziemlich bizarr an, und das wird auch mit jeder weiteren Minute an verstrichener Laufzeit zunehmen. Es ist eine absurd-groteske Produktion, die sich aber vor allem durch ihre gängigen Songs auszeichnet, die der musikalisch begabte Meister, Paul Williams, für diesen Film komponierte. Der Film ist düster, surreal, in einigen Momenten fast schon psychedelisch. Und durch den flamboyanten Charakter „Beef“, gespielt von Gerrit Graham wird hier und da noch eine Prise Humor mit in den Mix geworfen. Dennoch verfügt der Film in seiner, die Sinne bombardierenden, Aufmachung über ein paar ruhige, ja sogar teilweise berührende Momente, in denen die Emotionen der Figuren durch ihren Gesang ausgedrückt werden. Vermutlich spricht der Film nicht jedes Publikum an. Vielmehr Fans vom Absurden und jene, die offen für das Verrückte sind. Sollte man jetzt Lust auf diesen Streifen bekommen haben, so muss ich noch ein Wort der Warnung gegen die deutschen Synchronisation aussprechen, die es für nötig hielt, den Film zu einer Komödie umzubasteln. So wurde hier zum Beispiel das Wort „Freund“ mit „Pinguin“ übersetzt, um nur eine der haarsträubenden Änderungen zu erwähnen. Hat man dieses Problem jedoch gelöst, kann man sich auf eine abstruse, musikalische Show sondergleichen freuen.