Buchladen Rote Straße in Göttingen vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen
Wegen „verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse“ wurde der Göttinger Buchladen Rote Straße von dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen. Verantwortlich für diese Entscheidung ist Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Er hatte insgesamt drei Buchhandlungen aus dem linken politischen Spektrum nachträglich von der Nominierungsliste der Buchpreis-Jury gestrichen. Laut Weimer könne man keine Institutionen mit staatlichen Geldern auszeichnen, wenn sie verfassungsfeindliche Elemente in sich trügen. Die Buchhandlungen werden juristische Schritte gegen Weimer und den Verfassungsschutz einleiten. Das teilte der Göttinger Anwalt Sven Adam mit. Kritik zu Weimers Vorgehen kommt unter anderem von dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Wie dieser in einer Mitteilung schreibt, lehne er es ab, die kulturelle Leistung einer Buchhandlung von einer etwaigen politischen Ausrichtung des Sortiments abhängig zu machen. Auch sei das Prüfverfahren sehr intransparent abgelaufen: Da die Ergebnisse geheim bleiben, sei es den Betroffen nicht möglich, sie anzufechten. Der Kreisverband der Linken Göttingen/Osterode sieht in dem Vorgehen Weimars einen klaren Eingriff in die Kunstfreiheit. Politische Einflussnahme solle durch ein unabhängiges Juryverfahren bei der Förderung verhindert werden. Diese politische Einflussnahme und damit einhergehende Entscheidung müsse nun korrigiert werden, so Thomas Goes, Kreissprecher der Partei. Der Deutsche Buchhandlungspreis wird an inhabergeführte Buchhandlungen vergeben, die ein literarisches Sortiment oder ein kulturelles Veranstaltungsprogramm anbieten, innovative Geschäftsmodelle verfolgen oder sich im Bereich der Lese- und Literaturförderung engagieren. Mit dem Gütesiegel geht auch eine Prämie einher. Der Buchladen Rote Straße steht nicht zum ersten Mal auf der Nominierungsliste – schon in der Vergangenheit wurde er mit dem Preis ausgezeichnet.