Nach den schweren Vorwürfen gegen Marcel Riethig wächst der politische Druck deutlich. Die CDU-Kreistagsfraktion fordert, dass Riethig seine Amtsgeschäfte mit sofortiger Wirkung nicht weiter ausübt. In einer Stellungnahme erklärt Fraktionsvorsitzender Andreas Körner, man vertraue den leitenden Beschäftigten der Kreisverwaltung ausdrücklich. Das gemeinsame Schreiben der Dezernenten und Fachbereichsleitungen zeige, dass es sich nicht um Einzelmeinungen, sondern um ein gravierendes strukturelles Problem handele. Aufgrund des massiven Vertrauensverlustes zwischen Landrat und Verwaltungsführung sei die Handlungsfähigkeit der Kreisverwaltung aus Sicht der CDU nicht mehr gewährleistet. Sollte Riethig seine Amtsgeschäfte fortführen, kündigt die Fraktion einen Antrag auf Abwahl in einer Sondersitzung des Kreistages an. Auch aus der SPD kommt inzwischen deutliche Kritik. Niedersachsens Gesundheitsminister und SPD-Unterbezirksvorsitzender Andreas Philippi erklärte gegenüber dem NDR, Riethig sei für eine erneute Kandidatur als Landrat nicht mehr tragbar. Die Anschuldigungen wögen schwer und müssten unabhängig von der laufenden Prüfung durch die Dienstaufsichtsbehörde bewertet werden. Der SPD-Unterbezirk wolle Riethig auf einer Sondersitzung von seiner angekündigten Kandidatur entbinden. Das Innenministerium prüft derzeit ein Schreiben aus der Kreisverwaltung, in dem 28 dokumentierte Vorgänge aufgeführt sind. Dabei geht es unter anderem um Vorwürfe der Einschüchterung, des Machtmissbrauchs und mögliche rechtswidrige Dienstanweisungen. Riethig weist die Vorwürfe zurück und erklärt, er kenne keinen der geschilderten Fälle. Sein Führungsstil sei fordernd, diene aber dem Ziel, Verwaltungsabläufe zu beschleunigen.
Redaktioneller Hinweis: Es gilt die Unschuldsvermutung.