Die Staatsanwaltschaft Göttingen erhebt Anklage gegen den suspendierte Landrat Marcel Riethig. Dem 43-Jährigen wird Untreue vorgeworfen. Dies bestätigte Oberstaatsanwalt Andreas Buick gegenüber der Redaktion des StadtRadios. Hintergrund ist ein Mietvertrag des Landkreises Göttingen mit einer Wohnungsbaugesellschaft, bei der Riethig Mitgesellschafter ist. Riethig wird vorgeworfen, den Mietzins für die Berufsbildende Schule II in Osterode als Landrat erhöht zu haben, obwohl keine rechtliche oder tatsächliche Notwendigkeit bestanden habe. Über die Vertragslaufzeit von fünf Jahren sei hierdurch ein Mehrbetrag von über 1,6 Millionen Euro entstanden. Riethig selbst wies die Vorwürfe laut Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft von sich. Er habe den Mietzins u.a. wegen Zweifeln an der Marktüblichkeit des ursprünglich vereinbarten Betrages erhöhen müssen. Eine Anfrage des StadtRadios an Riethigs Anwälte blieb bislang unbeantwortet. Das Landgericht Göttingen wird nun prüfen, ob es zur Eröffnung eines Hauptverfahrens kommt. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Riethig wurde im vergangenen März als Landrat suspendiert. Ihm wurden unter anderem Vetternwirtschaft sowie ein autoritärer Führungsstil vorgeworfen. Bei der Kommunalwahl im September trat Riethig als parteiloser Landratskandidat an und erhielt 14,8% der Stimmen. Damit belegte er den vierten Platz.